Programme

"Das thut dem alten Drachen Zorn“ Lieder Martin Luthers und die Musik der Reformationszeit

„Wer von Zwinglis und Calvins Äußerungen über die Musik her auf Luthers Musikanschauung stößt, dem wird es wie dem Wanderer gehen, der sich plötzlich dem Hochgebirge gegenübersieht: eine Landschaft von großartiger Majestät und kühner Schönheit, aber auch von schroffen und steilen Abgründen tut sich vor ihm auf.“, so schreibt Oskar Söhngen in seinem Buch „Theologie der Musik“, und tatsächlich ist der große Schatz an evangelischer Kirchenmusik ohne Martin Luther, der der Musik – im Unterschied zu den anderen Reformatoren – einen wesentlichen Platz bei der Verkündigung des Evangeliums einräumt, nicht denkbar. Martin Luther selbst hat auf dem Gebiet der Musik für den Gottesdienst viel getan und eine große Zahl an Liedern für den Gottesdienst und die häusliche Andacht beigesteuert. Komponisten und Dichter seiner Zeit hat er dazu ermuntert, es ihm gleich zu tun und die neuen Lieder für die Chöre und Schulen auch mehrstimmig zu vertonen. Im Programm des Susato-Ensembles erklingen Lieder Martin Luthers sowie Kompositionen von Musikern seiner Zeit, die Luther besonders schätzte, wobei auch gesellige Lieder und Tänze – also die „Unterhaltungsmusik“ der Reformationszeit – nicht zu kurz kommen.
H-M Meckel

„Danserye 1551“ (2009) Tänze und Lieder der Renaissance

Werke von Tielman Susato, Josquin des Prés, Orlando di Lasso u. a.

Im Sommer 1979 wurden in Budapest die ersten Noten für das Susato-Ensemble gekauft, im Herbst fanden die ersten Proben statt und im Frühjahr 1980 gab das Ensemble dann sein erstes Konzert. Zu den ersten Stücken, die seinerzeit in Budapest gekauft und mit dem Ziel geprobt und gespielt wurden, diese Musik möglichst authentisch und mit dem Instrumentarium seiner Zeit wiederzugeben, gehörten Tänze aus dem Spielbuch „Danserye“, das der Trompeter und Spielmann, Komponist, Drucker und Verleger Tielman Susato 1551 in Antwerpen herausgab. So kehrt das Ensemble mit diesem Programm, in dem u. a. die Musik und das Wirken Tielman Susatos im Mittelpunkt steht, an die spannenden Anfänge vor 30 Jahren zurück.

Das Spielbuch „Danserye“ von T. Susato ist, neben dem im Jahre 1530 von Pierre Attaingnant gedruckten Pariser Tanzbuch, ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg der Instrumentalmusik in Europa hin zu einer selbständigen Gattung und Form. Wurden Instrumente seit dem Mittelalter eigentlich fast ausschließlich zur Begleitung von Vokalmusik herangezogen, so begann sich im 16. Jahrhundert eine eigenständige Literatur zu entwickeln, die ausschließlich für das Spiel auf Instrumenten vorgesehen war. Wie stark diese Musik aber noch immer an die Vokalmusik gebunden und mit ihr verwandt ist, lässt sich gut an den Chansons „Mille regretz“ von Josquin des Prés und „Susanne ung jour“ von Orlando di Lasso sowie deren instrumentale Bearbeitungen in unserem Programm feststellen. Wurde „Mille regretz“ von T. Susato zu einer instrumentalen Pavane, also einem Modetanz der Zeit umgearbeitet, so diente „Susanne ung jour“ dem Komponisten G. Bassano als Vorlage für ein virtuoses Instrumentalstück, bei dem die Melodie der Chanson von dem Soloinstrument fast bis zur Unkenntlichkeit verziert wird. Viele der von T. Susato bearbeiteten Tänze in dem Spielbuch „Danserye“ gehen auf vokale Vorlagen zurück – was nicht zuletzt auch ein kluger kaufmännischer Schachzug von ihm war, denn natürlich spielten die Instrumentalisten besonders gern die „Schlager“ der Zeit, die man überall hörte und sang.

Tielman Susato, der in Antwerpen eine Druckerei mit dem Krummhorn als Markenzeichen betrieb und der gleichzeitig auch als Verleger in Erscheinung trat, war einer der großen Förderer von Orlando di Lasso. Er hat neben vielen Veröffentlichungen von Kompositionen dieses Musikers in seinen Sammeldrucken einen ganzen Druckband ausschließlich mit Kompositionen von Orlando di Lasso herausgegeben – und das war bis dahin einmalig und sicher ein finanzielles Wagnis. Da T. Susato diesen Komponisten also ganz offensichtlich sehr geschätzt hat, erklingen in unserem Programm neben denen des großen Josquin des Prés, den nicht nur Martin Luther für den besten Komponisten der Zeit hielt, auch einige Stücke von Orlando di Lasso, dem damaligen Hofkapellmeister in München.

Nach überwiegend Liedern und Tänzen im ersten Teil klingt das Konzert in Form einer kleinen Vespermusik aus, d. h., nach einigen Psalmvertonungen wird abschließend das „Magnificat“, der Lobgesang der Maria in einer deutschsprachigen und mehrstimmigen Vertonung aus dem Babstschen Gesangbuch von 1545 gesungen. Den Schlusspunkt setzt dann ein Abendlied aus dem gleichen protestantischen Gesangbuch.

 

„Ich singe dir mit Herz und Mund“ (2007) Die Lieder Paul Gerhardts sowie Kantaten, Motetten und Instrumentalmusik seiner Zeit

Werke von William Brade, Johann Georg Ebeling, Johann Crüger, Buxtehude u. a.

„…Kommt her und höret zu ihr Frommen, wie es klingt,
Wenn uns Herr Gerhardt Lieder bringt.
…Doch achtet nicht allein den Schall
Den kunstgefüllten Geigenhall,
Gott sieht nicht an was unsre Zunge spricht,
Er hat sein Angesicht aufs Herz gericht
Und liebet nur Herz, Geist und Mund zusammen…“
Das Collegium am Gymnasium zu Berlin im Jahr 1669

Paul Gerhardt, am 12. März 1607 in Gräfenhainichen geboren, wurde durch seine große Begabung und Dichtkunst zum wohl populärsten Verfasser geistlicher Lieder in Deutschland. Der Germanist und Lyrikforscher H.-G. Kemper urteilt, dass Gerhardts Lieder in Deutschland „neben Grimms Märchen und noch vor Luthers Bibelübersetzung und Dichtung zu den bekanntesten Texten überhaupt“ gehören. Heute werden die Lieder Paul Gerhardts von Christen vieler kirchlicher Richtungen und Strömungen auf der ganzen Welt gesungen.

Sicher wären viele Texte Paul Gerhardts verloren gegangen, wenn sie nicht mit so hoher Kunst in Musik gekleidet worden wären. Es ist ein großes Glück, eine ganz besondere Fügung, dass Paul Gerhardt als Pfarrer an der Berliner Nikolaikirche mit dem Kantor Johann Crüger und seinem Amtsnachfolger Johann Georg Ebeling zusammentraf. Beide Kantoren griffen seine Texte dankbar auf und gaben ihnen Melodien, die sofort und gern gesungen wurden und schnell in ganz Deutschland Verbreitung fanden.

Neben den Liedern Paul Gerhardts erklingen im Programm Motetten, Kantaten und Instrumentalstücke von Zeitgenossen Paul Gerhardts, die im mittel- und norddeutschen Raum tätig waren. Die Instrumentalstücke von William Brade, der Anfang des 17. Jahrhunderts eine Anstellung in Berlin hatte, wurden dankbar ins Programm aufgenommen – wohl wissend, dass sie nicht in Berlin entstanden sind.

 

„Erhalt uns Herr bei deinem Wort“ Motetten, Lieder und Tänze aus der Zeit der Reformation

Werke von Martin Luther/Johann Walter, Josquin des Pres, Ludwig Senfl, Orlando di Lasso u. a.

Ein Programm mit Musik der Reformationszeit ist ohne Lieder Martin Luthers nicht denkbar, denn im Unterschied, ja im Gegensatz zu anderen Reformatoren, hat Martin Luther der Musik eine wichtige Rolle bei der Verbreitung des Evangeliums und demzufolge auch einen bedeutenden Platz im protestantischen Gottesdienst zugedacht. Luther selbst hat eine Vielzahl an Liedern für den Gottesdienst und die häusliche Andacht beigesteuert und Komponisten und Dichter seiner Zeit dazu ermuntert, es ihm gleich zu tun und die neuen Lieder für die Chöre und Schulen auch mehrstimmig zu vertonen. Im ersten Teil des Programms erklingen daher Lieder Martin Luthers in Vertonungen von Komponisten aus seinem sächsischen Umfeld.

Gesellige Lieder und „Unterhaltungsmusik“ der Reformationszeit folgen dann in einem zweiten Programmteil. Die Lieder stammen alle aus der Feder von Ludwig Senfl, des wohl bedeutendsten Liedkomponisten dieser Epoche. Martin Luther lernte Senfl 1518 auf dem Reichstag in Augsburg kennen und bewunderte seine Kompositionskunst sehr und obwohl Senfl als Kapellmeister am katholischen Münchner Hof tätig war, stand er immer wieder mit ihm in Briefkontakt. Eingerahmt werden die Liedkompositionen Ludwig Senfls von Tanz- und Spielmusik aus den beliebtesten Musikdrucken der Zeit, u. a. von T. Susato (Antwerpen) und P. Attaingnant (Paris).

Das Programm schließt ab mit Musik für den Vespergottesdienst. Neben den Einstimmungsgesängen (Antiphonen) und den Vesperpsalmen stand das Magnificat im Mittelpunkt der Abendandacht, hier gesungen und gespielt in einer Vertonung von Orlando di Lasso. In diesem Programmteil erklingt dann auch die einzige überlieferte mehrstimmige Komposition Martin Luthers, die Psalmmotette „Non moriar sed vivam“!

Mit Ludwig Senfls musikalischer Nachbildung des Glockengeläuts vom Dom zu Speyer endet die Vespermusik und das Programm.

 

„O, che felice giorno – was für ein glücklicher Tag!“ Geistliche und weltliche Musik an europäischen Zentren des 16. und 17. Jahrhunderts

Werke von Juan del Enzina, William Byrd, John Dowland, Girolamo Frescobaldi u. a.

Der Glanz europäischer Königs- und Fürstenhäuser wurde in der Renaissancezeit häufig auch ganz wesentlich durch den Ruhm und die Qualität der jeweiligen Hofkapelle bestimmt. So war man an den weltlichen und geistlichen Zentren in Europa stets bemüht, die besten Sänger und Musiker für die eigene Kapelle zu verpflichten. Mitglieder der Hofkapellen folgten ihrem Herrn häufig auf Reisen quer durch Europa und lernten so auch die Musik anderer Länder und Regionen kennen, was wiederum Einfluss auf die eigenen Kompositionen hatte. Groß angelegte und prunkvolle Sammlungen und Handschriften mit Kompositionen, die an den europäischen Höfen angelegt wurden, künden noch heute von der Vielfalt, Qualität und Farbigkeit der Musik jener Zeit. Im Programm erklingen weltliche und geistliche Kompositionen aus Sammlungen verschiedener europäischer Zentren.

 

„Gaudete, gaudete Christus est natus“ Die Weihnachtsgeschichte in Gesängen, Liedern und Kantaten des 15.–17. Jahrhunderts

Werke von Michael Praetorius, Johann Eccard, Vincent Lübeck u. a.

 

„In paradise of late“ Liebe und Klage in Musik aus europäischen Quellen des 16. und 17. Jahrhunderts

Werke von Juan del Enzina, William Byrd, John Dowland, Girolamo Frescobaldi u. a.